Kritik…

Ich habe gerade beschlossen, dass ich heute noch einen Artikel über das Thema “Kritisieren” schreiben muss. Der gegebene Anlass: ich habe eine beleidigende Mail von einem Fotografen erhalten weil ich eines seiner Fotos kritisiert hatte. Aber im Grunde soll es hier weder um den Fotografen noch seine Mail gehen sondern um mich! (Is ja auch mein Blog! face wink Kritik... ).

Ich weiß, dass ich sehr schnell mal mit einer Kritik dabei bin. Ich habe irgendwo mal einen Satz gelesen, der ungefähr so lautete: derjenige, der Künstler werden will, es aber nicht schafft, wird Kritiker. Nun, so ähnlich sehe ich mich auch. Meine Bilder sind nicht sehr einfallsreich, meine Bilder ragen nirgends heraus, ich werde damit nicht berühmt. Aber ich habe ein wenig Ahnung von der Materie und die möchte ich gerne weitergeben. Auch in der Form einer Kritik.

Daher habe ich auch nicht den Anspruch, an meinen Bildern wäre nichts was man kritisieren könnte. Im Gegenteil, ich bin froh über Verbesserungsvorschläge jeglicher Art. Sicher muss auch ich die erstmal schlucken (besonders wenn ich selbst davon überzeugt war, das Bild sei so eigentlich perfekt) aber dennoch ist es doch eine Bereicherung wenn mir jemand sagt, was ihn an einem Bild von mir stört. Und entweder ich sehe das Bild dann aus einem anderen Blickwinkel und kann das in meinen nächsten Arbeiten umsetzen oder aber, ich sage freundlich “Danke für die Kritik”, nehme sie aber nicht auf. Es ist ja immer meine Entscheidung in welche Richtung ich mich entwickle und es ist die Entscheidung des Betrachters ob er das gut findet oder eben nicht.

Es ist schwer zu lernen, mit Kritik umzugehen. Genauso schwer empfinde ich es übrigens, Kritiken zu verfassen mit denen man einigermaßen gut umgehen kann. face smile Kritik... Ich habe das mal in der Schule gelernt: “Positiver Aspekt, negativer Aspekt, dann wieder positiver Aspekt.” So ist eine Kritik am leichtesten einzustecken. Aber auch ich schaffe es nicht immer, meine Kritik so aufzubauen, das gebe ich zu.

Und um jetzt mal das große Ganze ins Auge zu fassen: ich bin der Meinung wir leben in einer Gesellschaft in der wir alle von Lob verwöhnt sind. Wenn wir es als Kinder schaffen 1+1 zusammen zu rechnen, dann sind wir in den Augen unserer Eltern die größten Helden dieser Welt. Das ist in einem gewissen Maß auch sicherlich in Ordnung, nur sollten wir meiner Meinung nach auch schon im Kindesalter lernen, kritikfähig zu sein. Ich habe meine Mutter lange dafür gehasst wenn sie mir bei einem ausgemalten Bild gesagt hat: “Na, da könntest du dir aber ein bisschen mehr Mühe geben.” aber im Grunde hatte sie doch recht. Wie sollen wir denn lernen mit Kritik umzugehen (ob nun in der Kunst oder auch im Job) wenn wir vorher nie welche gehört haben?

Habe ich jetzt zu weit ausgeholt?

Eines will ich noch sagen: wenn ich eine Kritik schreibe, dann will ich nie jemanden persönlich damit angreifen.

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6 Responses to “Kritik…”

  1. Daniel sagt:

    Kritik an der Kritik:

    “Die grössten Kritiker der Elche waren füher selber welche.”

    Wenns nur so wäre. Wenn mir einer was an die Backe labert vom graden Horizont oder oder igernd welchen Fotoregelquatsch mit einem eigenen Porfolio von Fröschen, Katzen und dem Voralpenland, ja, da denk ich mir nix dabei ausser: Halt doch die Waffel du Neidhammel. Mich schlecht machen um deinen eigenen Mist besser aushalten zu können, das haben wir gerne.

    Die wirklich guten Leute schreiben keine Kritiken, die sind selbstkritisch.

    Das Internet ist nicht der Ort um an den Ergüssen anderen rum zu mäkeln, dazu ist es zu unpersönlich und zu missverständlich.

    Zumal die Kritik dann auch noch wie ein Mal für alle anderen erkennbar stehen bleibt.

    Selbst per PN ist Kritik noch leicht mit Schlaumeierei zu verwechseln.

    Je geschulter das Auge wird desto sicher findet es etwas woran es sich stört. Wichtig ist dies zu erkennen und bei den eigenen Bildern zu vermeiden.

    Wenn das jeder machen würde sähen wir bald nur noch Klasse Bilder im Netz.

    Im genannten Falle hätte ich keine Kritik geschrieben, denn keiner hat mich nach meiner Meinung gefragt. auch wenn deine Kritik absolut, höflich, angemessen und sachlich richtig war, so war sie doch an einen Fremden gerichtet, dessen Reaktion nicht abzuschätzen war.

    Von da her kein Wunder das das so gelaufen ist.

    Kritik gehört in eine fundierte Bildbesprechung. Auge in Auge. Meine Meinung.

  2. jibril85 sagt:

    Ich persönlich finde das Internet eigentlich schon eine gute Plattform um Kritik an Bildern zu üben aber ich gebe dir in folgendem Punkt auf jeden Fall recht: der Fotograf hat mich nicht um Kritik gebeten und deswegen hätte ich auch keine schreiben sollen. Im Grunde wollte ich ja auch eine Kritik für das Model – das ich ja persönlich kenne – schreiben und das ist daneben gegangen. Ein Fehler aus dem ich sicherlich lernen kann: wenn ich ein Model kritisieren will, dann sollte ich nichts zur Lichtsetzung oder zur Bildbearbeitung schreiben.

    Erwähnen muss ich in diesem Zusammenhang übrigens, wie toll ich es finde, auf welche Weise deviantart das Problem gelöst hat: du kannst um Kritik bitten oder hast sogar die Möglichkeit, das Kommentarfeld auszuschalten. Vielleicht keine schlechte Idee auch für Plattformen wie die MK oder die FC.

    LG :)

  3. Daniel sagt:

    Wo sollen die Leute denn dann: “Schönes Bild” hinschreiben :-)

    • jibril85 sagt:

      Hihi, stimmt schon, hört/liest ja jeder gern! ^^ Ich auch, ich gebs zu! :P

      Aber es gibt bei DeviantArt wenn du Bilder hochlädst eben diese Möglichkeit, dass du auch Kritik einforderst (“Request Critique”). Wobei das glaub ich nur mit ner Subscription geht.

      Dort wird dann – unabhängig von den normalen Kommentaren – eine Kritikmöglichkeit gegeben.

      Die FC hat das ja gelöst, indem sie eine passende Kategorie (“Kritik – hart und direkt!”) geschaffen hat aber ich finde da das deviant-Art-System doch besser.. ;)

  4. dem artikel kann ich zustimmen. (und hinzufügen:)

    wozu zeigt jemand im internet seine fotos? damit andere diese sehen. über ein foto spricht der fotograf zum betrachter. und wieso sollte dieser betrachter dann nicht seine meinung dazu sagen dürfen? ich bin der meinung, dass derjenige betrachter, der entwicklungspotential feststellt und den weg dahin zeigen kann, nahezu die PFLICHT hat, demjenigen, der die fotos macht zumindest diesen hinweis zu geben.

    ich mag kritik. und ich mag auch gern kritik schreiben. die eigene arbeit kann niemand unvoreingenommen betrachten. man kennt den eigenen blickwinkel und ist mehr oder weniger in diesem gefangen. wenn ein anderer daherkommt und einfach nur reflektiert, wie es aus seinem blickwinkel wirkt, dann ist das eine erweiterung und hilfe. und es gibt nichts besseres als eine fundierte kritik – doch die kann man sich nicht selber geben. und ich finde, dass ich beim schreiben von kritiken eine ganze menge dazulerne und dinge für mich klarer sehen kann.

    was ich nicht verstehe, sind einstellungen wie “eine kritik ist nur dann angebracht, wenn jemand selber tolle fotos hat”. das ist meiner meinung nach quatsch. ich formuliere es gern so: ich muss ein auto nicht selber reparieren können um zu erkennen, dass qualm aus der motorhaube kein gutes zeichen ist. :)

    und ich glaube es ist wichtig bei kritiken zu unterscheiden. es gibt ernst und gutmeinende kritik. davon kann es nicht genug geben. manche geben aber auch kritiken um sich selber besser zu fühlen (indem andere heruntergemacht werden), oder kritiken, die ein bild in eine andere stilrichtung drängen, oder den sinn des bildes verändern wollen. diese kritiken sind murks und helfen nicht.

    @daniel: ein schiefer horizont ist eines der anzeichen dafür, dass sich der fotograf keine mühe gibt und sein foto nicht ernst nimmt (mit den wenigen ausnahmen wo es zur komposition beiträgt) – das ist eine “qualmende motorhaube”. und es ist sehr schade, wenn du dir solche einfachen hinweise nicht annimmst. manchmal sind selbst fußgänger eine große hilfe, wenn sie dem autofahrer auf so gravierende mängel hinweisen können ;)

    viele liebe grüße
    torsten

    • Foto-Chaotin sagt:

      Hui, da hast du dir aber ein paar ältere Artikel ausgesucht um zu kommentieren! ^^’ Und ich bin froh, dass mir jemand auch zustimmen kann. Rückblickend habe ich damals vielleicht etwas überreagiert (ich war ja einfach nur sauer und wollte meine Gedanken über das Thema hier auslassen). Aber im Grunde habe ich auch heute noch dieselbe Ansicht: Ich bin über jede hilfreiche Kritik, die man mir gibt, froh. Manchmal sage ich “Ja, das setze ich um” und manches Mal lasse ich das auch weil es nicht in mein Konzept passt. Calvin Hollywood hatte mal einen sehr interessanten Beitrag zur Kritikfähigkeit auf seinem Blog http://www.calvinhollywood-blog.de/2010/02/14/kritikfahigkeit/ … Den gebe ich gerne weiter weil ich finde, auch das was er an dieser Stelle sagt, stimmt. :) Wenn ich Kritik nicht umsetze, dann heißt das ja nicht, dass das nicht stimmt. Es heißt für mich persönlich entweder, dass ich keine Lust mehr habe, nochmal an dem Bild zu arbeiten aber dass ich es beim nächsten vielleicht besser mache oder es kann auch heißen, dass es stimmt, mir persönlich es aber auf diese Weise besser gefällt. :)

      Die besten Kritiker sind ja übrigens oft “Künstler, die es nicht weit bringen”, also lange nicht so tolle Bilder hinbekommen wie die die sie kritisieren. Sie haben viel Ahnung von der Materie aber ihnen fehlt oft das Gefühl, selbst ein Bild zu komponieren. Das sind dann meist auch die schärfsten Kritiker! Deswegen glaube auch ich: jemand der selbst keine sooo guten Bilder macht kann auch ein Auge dafür haben. Muss aber nicht. ;)

      Danke für den langen Kommentar! :)